Rennsport für die Straße – Michelin Power RS im Test

Mit dem Begriff „Power“ verbindet man in der Regel kraftvolle Motoren oder mächtigen Durchzug – unter Motorradfahrern zählt zur Power aber auch der Motorradreifen von Michelin. Der den von Fans liebevoll genannten „PiPo“ der Serie Michelin Pilot Power gibt es inzwischen seit über 13 Jahren und er hat über die Zeit etliche Optimierungsstufen erhalten. Dieses Jahr steht mit dem Michelin Power RS die nächste Evolutionsstufe bereit. Ein mächtiges Erbe.

In unserem Test klären wir ob der neue RS „RennSport“ Reifen nur was für den Kringel ist oder ob er sich auch auf der Landstraße für den ambitionierten Sportbikefahrer eignet.

Der Michelin Pilot Power wurde 2004 präsentiert und eroberte über Nacht die Herzen der Sportbikefahrer, da er neben einer langen Laufleistung, ein tolles Handling sowie maximalem Grip im trockenen als auch im nassen hatte. Michelin beherrschte fortan den Straßensportreifen-Markt nach Belieben und schob eine Verbesserung nach der anderen hinterher. Doch zuletzt wurde es ruhiger um die französischen Pellen, da die letzten Evolutionsstufen mit dem Supersport Evo und Power 3 nicht wirklich zündeten bzw. die Reifenkonkurrenz Michelin teilweise überholten.

Michelin Power RS

Michelin Power RS

Mit Begriffen wie Stabilität, Agilität und Trockenhaftung werfen alle Reifenhersteller um sich. Sind sie aber auch der zentrale Punkt um den es bei der Performance eines Straßensportreifens gehen muss. Da dies die Highlights der früheren Pilot Power Serie waren, fokussierte man sich bei der Entwicklung auf diese Headlines ohne jedoch den Nassgrip und die Laufleistung zu vernachlässigen.

Beim Power RS hat man einen höheren Silica-Anteil auf der Lauffläche, um bei Nässe anhaltenden Grip zu garantieren und mehr Rußanteil im softeren seitlichen Teil, um das Drehmoment im Trockenen in Grip umsetzen zu können. Unter der Gummimischung kommen neu entwickelte und patentiert Elastomere zum Einsatz, die eine entsprechend steife Verbindung erstellen, jedoch im richtigen Bereich genügend Flexibilität entwickeln.

Um eben diese Stabilität auf der einen und Flexibilität auf der anderen Seite zu erreichen, wurde die Karkasse des Hinterreifens umgeschlagen und somit auf einer bestimmten Länge der Reifenschulter gedoppelt. Hierdurch wird der Hinterreifen gerade in voller Schräglage sehr stabil, selbst bei harten Beschleunigungsaktionen.

Die neue patentierte Michelin ACT+ Karkasse

Die neue patentierte Michelin ACT+ Karkasse

Wir haben den Michelin Power RS auf unserer BMW S1000R mit PowerMapping und nachgerüstetem Schaltassistent Pro auf diversen Touren getestet. Gleich von der ersten Ausfahrt an bot der RS ein tolles Gefühl für die Front und genügend Grip um ordentlich schräg um die Ecken zu huschen. Eine große Einfahrphase ist mit dem RS ebenfalls nicht nötig. Bei normalen äußerlichen Temperaturen um die 20°C erreicht das Gummi bereits nach wenigen Kilometern genügend Temperatur um flott unterwegs sein zu können. Der Reifen krallt sich tadellos in den Asphalt und schluckt kleine Bodenwellen oder Schlaglöcher ohne Unruhe ins Fahrwerk zu bringen. Wer gerne spät in die Kurven rein bremst, der bekommt vom Power RS eine sehr gute Rückmeldung vom Vorderrad und kann präzise einlenken. Denn hier weiß der Pneu besonders zu gefallen. Auf den weichen Seitenflanken mit Rußanteil hält er die Linie fast ohne Aufstellmoment. Verringert man die Schräglage und kommt auf den härteren Silicaanteil des Reifens, so ist ein leichtes Gegendrücken notwendig um dem Kurvenradius zu folgen. Der Reifen gibt hierbei dauerhaft ein sehr gut zu kontrollierendes Feedback über das Vorderrad. Klasse.

Dass es im öffentlichen Straßenverkehr immer mal wieder zu unvorhergesehenen Situationen kommen kann, wissen wir alle. So auch der Fall bei einer unserer Testfahrten mit dem RS. Auf noch nasser Fahrbahn, in einem Waldstück im Weserbergland, tauchte plötzlich ein Kleinwagen aus einem Feldweg vor uns auf der Fahrbahn auf. Die eingeleitete Vollbremsung aus gut 80 Km/h beherrschte der Reifen, im Gegensatz zum Fahrer, jedoch unaufgeregt gut. (Ungewollten) Bremstest bei Nässe: Bestanden.

Restprofil: Links nach 1105km, Rechts nach 2879 km

Restprofil: Links nach 1105km, Rechts nach 2879 km

Dass der RS zwar ein Straßensportreifen sein soll, es aber locker mit profilierten Rennreifen aufnehmen kann, konnten wir mehrfach auf unserer Hausstrecke erfahren. In voller Schräglage ordentlich ans Gas, das ist das was den ambitionierten Motorradfahrern Spaß macht. Diese Aufgabe erledigt der RS mit Bravour. Die Fuhre geht mit ordentlich Nachdruck und Power nach vorne, ohne ein Regeln der Traktionskontrolle. Einen ähnlichen Kurvenspeed in voller Schräglage kannten wir bisher nur vom Racetec K3 aus dem Hause Metzeler oder dem Diablo Rosso Corsa von Pirelli. Und genau hier schließt sich der Kreis. Während die zuvor genannten Mitbewerber einen ähnlichen, Rennstrecken-fähigen Grip bieten, ist die Laufleistung des Power RS um ein vielfaches höher. Wir sind mit unserem Satz ca. 3000km Landstraße im Weserbergland und Harz unterwegs gewesen, größtenteils mit zügiger sportlicher Fahrweise. Die Power RS Gummis sahen aber vorne wie hinten vollkommen entspannt aus.  Geschätzt wären noch ca. 1000-1500 weitere Kilometer problemlos möglich gewesen, bevor der Hinterreifen an die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6mm gelangt wäre. Wer also einen ausgiebigen Trackday mit An-/Abreise auf eigener Achse plant, der wird vom RS nicht enttäuscht werden. An was man sich allerdings gewöhnen muss ist die Sichtbarkeit der unterschiedlichen Gummimischungen, denn gerade am Hinterreifen ist der Übergang von Ruß-Anteil an den Flanken hin zum Silica-Anteil auf der Lauffläche deutlich zu erkennen.

Deutlich zu erkennen: Die unterschiedlichen Gummimischungen des Michelin Power RS

Deutlich zu erkennen: Die unterschiedlichen Gummimischungen des Michelin Power RS

Michelin hat ganz eindeutig viel Aufwand in die Entwicklung des Power RS gesteckt und ohne Zweifel haben die Franzosen eine weitere Stufe an Performance und Haltbarkeit eines Straßensportreifens bestiegen. Der Reifen bietet enormen Grip und kommt selbst mit recht warmen Bedingungen spielerisch klar. Auch optisch steht der RS seinen sportlichen Ambitionen in nichts nach und präsentiert sich wie ein Rennslick.

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Daniel

Daniel ist Admin des Bremspunkt und verantwortlich für Produkttests und die Technik der Website. Schon im Kindesalter Motorrad verrückt. Seit 1997 Fan von Valentino Rossi und Inhaber der Domain www.valentinorossi.de . Liebt alles rund ums Thema Zweirad und ist hauptberuflich im Bereich T-Security bei einem IT-Dienstleister in Hannover tätig.

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