Test: RS2E Race Mapping PRO 2026 für BMW M/S1000
RS2-Engineering – Rennsporttechnologie für BMW-Serienbikes
Die Softwareingenieure Rainer und Robert Stelzenberger aus Niederbayern sind tief im Motorsport verwurzelt. Unter anderem wirkten sie im BMW Rennteam der World Superbike Meisterschaft mit. Mit ihrer Firma RS2-Engineering (RS2E) übertragen sie dieses Know how auf Serienmotorräder und bieten ein umfassendes Portfolio zur Optimierung zahlreicher BMW Modelle.
Das Angebot reicht vom Deaktivieren von Servicemeldungen über die Nachrüstung des Schaltassistent Pro für ältere Modelle bis hin zu komplexen Anpassungen der Motorsteuergeräte Software. Im Fokus stehen Power Mapping, Dynamik Mapping und insbesondere das Race Mapping für verschiedene Baureihen. Letzteres haben wir uns in der brandneuen Version 2026 für unsere S1000R genauer angesehen.

Race Mapping PRO Version 2026 Für BMW M1000 und S1000 (R/RR)
Mit der aktuellen Version 2026 hebt RS2-Engineering das Race Mapping für BMW M1000 und S1000 Modelle mit BMS-O Steuergerät auf ein neues Niveau. Zahlreiche Funktionen wurden gegenüber unseren vorherigen Tests der Version 2017 und Version 2021 kontinuierlich weiterentwickelt und fein abgestimmt. Auch Umbauten wie der Race Airebox mit variablen Ansaugtrichtern wurden von uns bereits unter die Lupe genommen. Für die aktuelle Modellbaureihe liest sich die Liste der Softwareanpassungen wie folgt:
Angepasste Funktionen im Überblick:
- Optimierung von Einspritzung, Zündung und Restriktionen für verbessertes Drehmoment und höhere Leistung
- Breitband Lambdaregelung für schnelleres Einregeln bei Lastwechseln
- DTC über selektive Zylinderausblendung mit voll gangabhängiger Regelung
- Überarbeitete Wheeliecontrol und gangabhängige Leistungsbegrenzung
- Optimierter Schaltassistent
- Drehzahlbegrenzer inklusive sanft einsetzendem Soft Limiter
- Überarbeitetes eGas mit Vorbereitung für Kurzgasgriff
- Launch Control und Pit Lane Limiter (ausgenommen Modell K69)
- Angepasste Motorbremse
- Akustikoptimierung über Abgas und gegebenenfalls Ansaugklappensteuerung, offen während der Fahrt, Serienzustand im Leerlauf
- Aktivierte Schubakustik im Modus DYN PRO bei K63 und K69
- Lüftereinschalttemperatur bei 95 Grad
- Deaktiviertes Katheizen mit reduziertem erhöhtem Leerlauf nach Kaltstart
Gerade das Zusammenspiel aus gangabhängiger Traktionskontrolle, präziser Leistungsdosierung und optimierter Regelgeschwindigkeit der Lambdasonde klingt nach einem nochmals harmonischeren und gleichzeitig aggressiverem Ansprechverhalten.

Elektronik wie in der World Superbike
Auf Serienbikes wird die DTC (Dynamic Traction Control / Dynamische Traktionskontrolle) bei BMW konventionell über die Drosselklappenstellung gesteuert. Hebt das Vorderrad ab oder dreht das Hinterrad durch, wird über das elektronische Schließen der Drosselklappe die Leistung – unabhängig von der Gasgriffstellung des Fahrers – verringert, um so das Drehmoment zu reduzieren, bis die Fahrsituation stabilisiert ist.
Vor sechs Jahren haben die Jungs von RS2E mit ihrer Softwareversion V2020 ihre Erfahrungen aus der WSBK auf die Straße gebracht und die Funktion der Traktionskontrolle komplett überarbeitet.
Die Wheelie- und Traktionskontrolle arbeitet nach der Motorsteuergeräteaktualisierung über eine definierte Zylinderausblendung. Die Zylinder werden selektiv in bis zu 16 Stärkestufen ausgeblendet, die Verbrennung für einen oder mehrere Zylinder also unterdrückt. Dabei arbeitet in der kleinsten Regelstufe ein Zylinder alle zwei Arbeitstakte nicht. In der stärksten Regelstufe würden alle Zylinder abgeschaltet werden (wie beim konventionellen Drehzahlbegrenzer) – in diesen starken Regelbereich kommt man im Rahmen der Traktionskontrollregelung in der Praxis jedoch nicht.
Durch die Zylinderausblendung erfolgt der Traktionseingriff, gegenüber der herkömmlichen Variante, deutlich schneller und ein ruckartiger Drehmomentanstieg beim Aufsetzen des Vorderrads nach einem Wheelie wird ebenso vermieden.
Mit Version 2026 erfolgt nun bereits die sechste Weiterentwicklung. Durch die neuen Funktionen der neuen Baujahre / Steuergeräte der BMW Modelle wurde eine in 6 Stufen einstellbare Schräglagencharakteristik implementiert, die sich je nach Art der Reifen, der Strecke und dem Wetter anpassen lässt. Das Regelungsniveau (Feintuning) ist über über die DTC +/- Lenkerschalter einstellbar.
Da auch Drehzahl-Überschwinger durch die definierte Zylinderausblendung vermieden werden, kann durch einen dadurch weicher einsetzenden Drehzahlbegrenzer ebenfalls eine neue Maximaldrehzahl realisiert werden.

Präzisere Wheeliecontrol
Ein besonderer Entwicklungsschwerpunkt lag auf der Wheelie Regelung. Die Steuerung erfolgt nun vollständig auf Basis der Schräglagen- und Neigungswinkelerfassung. Dadurch reagiert das System deutlich situationsabhängiger und präziser.
Die Einstellmöglichkeiten wurden auf fünf klar definierte Stufen optimiert. Gleichzeitig wurde die Bandbreite so angepasst, dass jede Stufe im Fahrbetrieb nachvollziehbar unterscheidbar ist.
Wie bei der DTC erfolgt der Eingriff über selektive Zylinderausblendung sowie zusätzliche Zündwinkelrücknahme. Das sorgt für ein kontrolliertes und sehr schnelles Regelverhalten ohne abrupte Leistungsabbrüche.
Besonders praxisnah ist die Deaktivierung von Wheelie Eingriffen oberhalb des dritten Gangs. Dadurch wird auf schnellen Geraden selbst bei leichten Bodenwellen kein unnötiges Drehmoment reduziert. Das Motorrad bleibt stabil, beschleunigt sauber durch und wirkt insgesamt deutlich freier.
Mehr „Freude am Fahren“ durch hörbare Traktionskontrolle
Als besonderes Highlight wird der Arbeitsbereich der Traktionskontrolle durch die Zylinderausblendung für den Fahrer akustisch wahrnehmbar. Auf Grund des Fehlens einzelner Zylinderzündungen ergibt sich ein unregelmäßiges Verbrennungsgeräusch, das dem Fahrer auditive Rückmeldung über die Funktion und Stärke der Regelung gibt. Hat man sich an dieses „andere Motorengeräusch“ während der Regelphase der DTC erst einmal gewöhnt, würde man am liebsten bei jedem Beschleunigen aus der Kurve eine leicht regelnde Traktionskontrolle hören. Wahnsinn, dieses Geräusch macht süchtig!
Unterschiedliche Versionen
Die Softwareupdates, die in fast allen Bereichen mit der V2026 der Race- und PowerMappings nochmals optimiert wurden, sorgen für maximale Leistung und Drehmoment, sowie eine optimierte Gasannahme. Sie sind sowohl für Bikes mit Serienabgasanlage (S-Variante) als auch für Motorräder mit Zubehör-/Raceauspuff (R-Variante) erhältlich. Wer sein Bike komplett für den Rennstreckeneinsatz umgebaut hat, entscheidet sich am besten für die C-Variante.
Bei allen Versionen wird durch die „befeuerte Motorbremse“ bei geschlossenem Gasgriff weiterhin kontinuierlich leicht Benzin eingespritzt und somit ein weicheres Ansprechverhalten beim Übergang von Bremsen zum Beschleunigen erreicht. Diese Funktion ermöglicht es endlich auch, im 6. Gang bei 40-50 km/h durch den Ort zu rollen, ohne ein lästiges ruckelndes Fahrverhalten, dem bekannten Konstantfahrruckeln.
Praxiserfahrungen
In der Praxis zeigt das RS2E Race Mapping PRO sehr schnell, dass die aktuelle Ausbaustufe V2026 nochmals deutlich präziser geworden ist. Die Gasannahme wirkt gegenüber den zuvor getesteten Versionen feiner, direkter und sauberer dosierbar. Besonders im unteren und mittleren Drehzahlbereich lässt sich das Motorrad wesentlich kontrollierter bewegen, ohne nervös oder künstlich aggressiv zu wirken. Gerade beim Herausbeschleunigen aus Kurven, beim Anlegen von Gas in Schräglage und bei langsamer Fahrt durch Städte und Ortschaften fällt diese Abstimmung positiv auf.
Ein großer Fortschritt ist das vollständig eliminierte Konstantfahrruckeln. Das macht sich besonders im Alltag bemerkbar: Ortsdurchfahrten, zähfließender Verkehr oder langsames Rollen im hohen Gang funktionieren nun deutlich souveräner.
Auch der Schaltassistent wurde (nochmals) spürbar verbessert. Er lässt sich jetzt selbst bei niedrigsten Drehzahlen unterhalb von 2000 Umdrehungen problemlos nutzen, sogar dann, wenn nicht beschleunigt wird. Genau diese Kombination aus ruhigem Motorlauf, sauberer Gasannahme und einem deutlich breiter nutzbaren Schaltassistenten sorgt für einen enormen Komfortgewinn. Die S1000R fährt sich dadurch nicht nur sportlicher, sondern auch im Alltag erheblich kultivierter.
Zusätzlich bringt das (konfigurierbare) Entfernen der serienmäßigen gangabhängigen Drehzahlbegrenzung je nach Fahrmodus mehr Freiheit in der Fahrweise. Das Motorrad wirkt weniger eingebremst, dreht freier aus den Gängen heraus und erlaubt eine deutlich dynamischere Gangwahl. Gerade auf der Landstraße oder auf der Rennstrecke entsteht dadurch ein spürbar direkteres und unverfälschteres Fahrgefühl, ohne dass die Fahrbarkeit darunter leidet.
Lohnt sich das?
Mit dem Race Mapping PRO 2026 liefert RS2-Engineering für die BMW M1000 und S1000 Modelle eine sehr ausgereifte Weiterentwicklung. Die Software wirkt nicht wie eine einfache Leistungssteigerung, sondern wie eine umfassende Neuabstimmung der gesamten Fahrcharakteristik. Gasannahme, Traktionskontrolle, Wheeliecontrol, Schaltassistent, Motorbremse und Drehzahlverhalten greifen deutlich harmonischer ineinander als zuvor.
Der größte Gewinn liegt dabei nicht nur in mehr Dynamik, sondern in der besseren Beherrschbarkeit. Die BMW fährt sich präziser, sauberer und gleichzeitig freier. Das beseitigte Konstantfahrruckeln, der besser nutzbare, sanftere Schaltassistent – insbesondere bei sehr niedrigen Drehzahlen – und die Aufhebung der gangabhängigen Drehzahlbegrenzung (je nach Fahrmodi) machen das Mapping sowohl für ambitionierte Landstraßenfahrer als auch für den Rennstreckeneinsatz interessant.
Unterm Strich ist das Race Mapping PRO 2026 die bislang überzeugendste Ausbaustufe, die wir gefahren sind. Es bringt spürbar mehr Kontrolle, mehr Komfort und mehr Fahrfreude. Genau dort, wo eine gute Abstimmung den Unterschied macht: nicht auf dem Papier, sondern beim Fahren.
Der Preis liegt (Stand Mai 2026) für Deutschland und die EU inklusive Mehrwertsteuer bei 1.035,30 Euro, das Update auf ein bereits vorhandenes RS2E Mapping kostet 517,65 Euro. Für Kunden außerhalb der EU beträgt der Preis ohne Mehrwertsteuer 870 Euro, beziehungsweise 435 Euro als Update. Damit bleibt das Mapping deutlich günstiger als viele Hardware Umbauten, liefert aber genau dort spürbaren Mehrwert, wo man ihn bei jeder Fahrt erlebt. Im rechten Handgelenk, im Antrieb und im Grinsen unter dem Helm.

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