Carplay / Android Auto am Motorrad: Carpuride 702S Pro im Alltagstest
CarPlay oder Android Auto am Motorrad klingt erst einmal nach einer einfachen Idee: Smartphone verbinden, Navigation starten, losfahren. In der Praxis stellen sich aber schnell die entscheidenden Fragen. Ist das Display bei Sonne wirklich gut ablesbar? Verbindet sich das Smartphone zuverlässig? Funktioniert die Bedienung mit Handschuhen? Bringt die Reifendruckkontrolle im Alltag tatsächlich einen Mehrwert? Und wie sieht es nach dem Kauf aus, wenn Fragen, Updates oder technische Probleme auftreten?

Genau das wollten wir beim Carpuride 702S Pro + TPMS herausfinden. Uns interessierte nicht nur, wie sich das Gerät auf dem Papier schlägt, sondern wie es sich am Motorrad im Alltag anfühlt. Besonders spannend war für uns auch der Support nach dem Kauf. Denn gerade bei nachrüstbaren Elektroniklösungen entscheidet nicht nur die Hardware, sondern auch, ob der Hersteller bei Problemen erreichbar bleibt und ob Firmware Updates regelmäßig bereitgestellt werden.
Die Hardware
Das Carpuride 702S Pro ist ein 7 Zoll großes Motorrad Display mit kabellosem Apple CarPlay und Android Auto. Die Pro-Variante erweitert das System um Zusatzfunktionen wie TPMS Reifendrucksensoren. Damit wird das Gerät nicht nur zur Navigations und Medienzentrale, sondern auch zu einer zusätzlichen Kontrollanzeige für Reifendruck und Reifentemperatur.
Zu den wichtigsten Eckdaten gehören ein IPS Touchscreen mit 1024 × 600 Pixeln, eine angegebene Helligkeit von 1000 Nits, IP67 Schutz, Dual Bluetooth 5.0, WLAN, kabelgebundener Lenker Controller, BM05 Schnellhalterung, Kompass, Barometer, SOS Funktion sowie OTA Firmware Updates über WLAN beziehungsweise Smartphone Hotspot.
Im Alltag richtet sich das Gerät vor allem an Tourenfahrer, Pendler und Fahrer von Reiseenduros oder größeren Naked Bikes. Das Smartphone bleibt geschützt in der Tasche, während Navigation, Musik, Telefonie und Sprachsteuerung über das Display laufen. Das ist besonders auf längeren Fahrten angenehm, weil das Handy weniger Hitze, Regen und Vibrationen ausgesetzt ist.
Verpackungsumfang und erster Eindruck
Unser Set mit TPMS wirkt schon beim Auspacken eher wie ein vollständiges Motorrad Zubehörsystem als wie ein einfaches Zusatzdisplay. Neben dem Display selbst gehören verschiedene Halterungen, Anschlusskabel, Montagematerial, der Lenker Controller und die beiden TPMS Sensoren zum relevanten Umfang.




Positiv fällt die BM05 Schnellhalterung auf. Das Display lässt sich damit deutlich komfortabler abnehmen als bei starren Schraublösungen. Das ist im Alltag wichtig, wenn das Motorrad draußen steht oder man das Gerät nicht dauerhaft sichtbar am Lenker lassen möchte.
Die Verarbeitung macht einen robusten Eindruck. Das Gehäuse wirkt zweckmäßig, die Anschlüsse sind auf Motorradbetrieb ausgelegt und die Halterung sitzt stabil, sofern sie sauber montiert wird. Trotzdem sollte man die Position sorgfältig wählen. Ein 7 Zoll Display ist groß. Es darf weder den Tacho verdecken noch bei vollem Lenkeinschlag an Scheibe, Tankrucksack oder Verkleidung anschlagen. Mit ein bisschen Rumprobieren, ließ sich an unserem Redaktionsbike, einer BMW S1000R, aber schnell die richtige Position finden.
Nach dem ersten Start wird das Smartphone gekoppelt. Die Verbindung läuft über Bluetooth und WLAN. Ist die Ersteinrichtung erledigt, verbindet sich das System im Alltag automatisch, sobald das Gerät aktiv ist. Genau hier zeigt sich der große Vorteil gegenüber einem Smartphone am Lenker: Man startet das Motorrad, das Display fährt hoch, CarPlay oder Android Auto erscheint und die gewohnte Navigations App ist verfügbar. Wie nutzen seit vielen Jahren die App Calimoto, die wir bisher immer direkt über das Smartphone-Display mit einer SP-Connect Halterung (SP-Connect Motorrad Halterung im Test) am Motorrad genutzt haben.
Mit dem Carpuride 702S Pro wurde das Smartphone nun durch ein reines Display ersetzt und die vertrauten Umgebung kann über CarPlay (oder Android Auto) verwendet werden. Alle vertrauten Navigationsapps wie Google Maps, Apple Karten, Waze, Calimoto, Kurviger oder auch Musik Apps, Telefonie und Sprachsteuerung laufen in gewohnter Manier auf dem großen Display. Wer bisher also ohnehin mit dem Smartphone navigiert hat, muss sich nicht an ein komplett neues System gewöhnen.
Die kabellose Verbindung funktioniert im Alltag angenehm unkompliziert. Nach der ersten Kopplung verbindet sich das Smartphone automatisch innerhalb weniger Sekunden. Die Bedienung über das Display ist deutlich komfortabler als über ein Handy am Lenker, vor allem weil die Oberfläche für die Nutzung während der Fahrt reduziert ist.
Natürlich gelten die Einschränkungen von Apple CarPlay und Android Auto weiterhin. Nicht jede Motorrad App ist verfügbar, und manche Apps zeigen auf dem Display weniger Funktionen als direkt auf dem Smartphone. Das ist kein Fehler des Carpuride, sondern liegt an den Vorgaben von Apple und Google.
Mit einem Helm Headset, wie zum Beispiel einem Sena 60S aus unserem Test, ergibt das System am meisten Sinn. Navigationsansagen, Musik und Telefonie lassen sich so sauber kombinieren. Bei mehreren Bluetooth Geräten sollte man sich allerdings Zeit für die Kopplungsreihenfolge nehmen. Wer Smartphone, Headset und Display wild durcheinander verbindet, produziert schnell unnötige Verbindungsprobleme.
TPMS: Reifendruckkontrolle mit echtem Nutzwert
Die TPMS Funktion ist für uns mehr als ein nettes Extra. Die beiden Sensoren werden an Vorder- und Hinterrad montiert und übertragen Reifendruck sowie Reifentemperatur direkt an das Display. Gerade auf längeren Touren ist das praktisch, weil man Veränderungen sofort erkennt.
Ein langsamer Druckverlust fällt früher auf. Auch Temperaturveränderungen bei hoher Belastung, Autobahnfahrten oder voller Beladung lassen sich besser einschätzen. Das ersetzt zwar keine regelmäßige Kontrolle mit einem guten Luftdruckprüfer, erhöht aber die Aufmerksamkeit während der Fahrt deutlich.
Bei einer Neuanschaffung würden wir deshalb immer wieder zur TPMS Variante greifen.
Firmware Updates: OTA
Ein wichtiger Punkt bei unserem Test war die Frage, wie Carpuride mit Softwarepflege umgeht. Früher liefen viele Updates bei solchen Geräten über TF Karte oder SD Karte. Beim aktuellen 702S Pro ist OTA über WLAN beziehungsweise Smartphone Hotspot vorgesehen.
Das ist ein deutlicher Fortschritt. Das Gerät wird mit einem WLAN verbunden, anschließend kann über das Einstellungsmenü nach Updates gesucht werden. Wird eine neue Version gefunden, lässt sie sich direkt herunterladen und installieren. Eine Speicherkarte ist damit nicht mehr der Standardweg, sondern nur noch eine lokale Alternative.
In der Praxis macht das einen großen Unterschied. Updates sind weniger abschreckend, schneller durchführbar und auch für Nutzer machbar, die keine Lust auf Datei Download, Kartenformatierung und manuelles Kopieren haben.
Support nach dem Kauf
Der Support war für uns einer der wichtigsten Punkte, weil gute Hardware wenig bringt, wenn man bei Problemen allein bleibt. Unser Eindruck fällt hier positiv aus. Carpuride ist gut erreichbar, antwortet zügig und versucht bei nahezu jedem Problem eine konkrete Lösung anzubieten.
Bei typischen Fragen zu Kopplung, Firmware, Bluetooth Verhalten oder TPMS Einrichtung erhält man keine völlig generischen Standardantworten, sondern nachvollziehbare Hinweise. Besonders hilfreich ist, dass Carpuride nicht sofort aufgibt, wenn ein Problem nicht mit dem ersten Tipp gelöst ist. Stattdessen wird Schritt für Schritt versucht, die Ursache einzugrenzen.
Das ist gerade bei Elektronik, insbesondere wenn sie aus Fernost kommt, bemerkenswert. Probleme entstehen oft nicht nur durch das Gerät selbst, sondern durch die Kombination aus Smartphone Modell, Betriebssystemversion, Headset, Stromversorgung und individuellen Einstellungen. Ein Support, der diese Zusammenhänge ernst nimmt, ist ein echter Pluspunkt.
Bedienung
Die Bedienung per Touchscreen funktioniert gut, solange die Handschuhe nicht zu dick sind. Mit Sommerhandschuhen ist das meist unproblematisch. Bei dicken Winterhandschuhen wird der Lenker Controller wichtiger. Er erlaubt grundlegende Bedienung, ohne ständig präzise auf dem Display tippen zu müssen. Wir haben verschiedene Handschuhmodelle getestet und konnten in den meisten Fällen den Touchscreen problemlos bedienen.
Die automatische Helligkeitsanpassung ist angenehm, vor allem bei wechselnden Lichtverhältnissen. Auf Touren mit Tunneln, Waldpassagen und offenen Strecken muss man nicht ständig manuell nachregeln.





Zusatzfunktionen wie Kompass und Barometer sind keine Kaufgründe allein, passen aber gut zum Tourencharakter des Geräts. Der Kompass hilft bei der groben Orientierung, das Barometer ist vor allem in bergigen Regionen interessant. Oft genutzt haben wir diese Funktion allerdings nicht.
Nach diversen Fahrten ist uns eine Sache jedoch trotzdem aufgefallen. Das Display hat zwar satte 7 Zoll, jedoch lediglich eine Auflösung von 1024 × 600 Pixeln. Für Android Auto und Apple Carplay werden Eingabefelder und Infoanzeigen per se großzügig dargestellt. Dadurch werden manche Beschreibungen abgeschnitten und z.B. die Karteninfos in Calimoto, Google Maps oder Apple Karten eher grob dargestellt. Wir würden uns hier eine höhere Auflösung wünschen, um einfach noch mehr Fläche für Kartenanzeigen und Buttons zu haben.
Die SOS Funktion ist der ernstere Zusatz. Sie soll im Notfall helfen, einen hinterlegten Kontakt zu erreichen. Solche Funktionen sollte man allerdings nicht einfach aktivieren und vergessen. Wer sie nutzen möchte, sollte sie vor der ersten großen Tour korrekt einrichten und bewusst testen.
Andere Modellvarianten der 702 Serie
Neben dem von uns getesteten Carpuride 702S Pro + TPMS gibt es innerhalb der 702 Serie mehrere Varianten, die sich vor allem bei Halterung, Ausstattung und Zielgruppe unterscheiden. Besonders interessant sind die BMW spezifischen Versionen, weil sie nicht wie ein universelles Display am Lenker befestigt werden, sondern direkt in die serienmäßige BMW Navigationshalterung eingesetzt werden können.
Diese Varianten richten sich vor allem an Fahrer von BMW Motorrädern mit werkseitiger Navi Vorbereitung. Statt eine zusätzliche Halterung zu montieren, wird das Carpuride Display in den vorhandenen Navischacht gesteckt. Das wirkt optisch deutlich integrierter und spart Platz im Cockpit. Gerade bei GS, RT oder XR Modellen ist das ein großer Vorteil, weil die Position bereits ab Werk gut ablesbar und vibrationsarm ausgelegt ist.
Je nach Ausführung unterstützen die BMW Varianten zusätzlich die Bedienung über das BMW Wonder Wheel. Damit lässt sich das Display teilweise über den serienmäßigen Drehcontroller am Lenker bedienen, ohne während der Fahrt direkt auf den Touchscreen greifen zu müssen. Für uns ist das eine der sinnvollsten Erweiterungen, weil sie das System stärker ins Motorrad integriert und weniger wie eine Nachrüstlösung wirken lässt – wenn man denn ein passenden, kompatibles BMW Motorrad sein eigenen nennen darf.
Daneben gibt es innerhalb der 702 Familie auch universelle Varianten ohne TPMS, Versionen mit unterschiedlicher Halterung und Modelle mit zusätzlicher Kamera oder erweiterten Bluetooth Funktionen.
Fazit
Das Carpuride 702S Pro + TPMS hat uns vor allem deshalb überzeugt, weil es mehrere sinnvolle Funktionen in einem Gerät bündelt. Es ersetzt das Smartphone am Lenker, bringt CarPlay und Android Auto auf ein großes Display am Motorrad, ergänzt TPMS für mehr Sicherheit und bietet mit OTA Updates eine zeitgemäße Softwarepflege.
Preislich liegt das Carpuride W702S Pro in Deutschland aktuell bei rund 259,99 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Wichtig ist hier ein genauer Blick auf den Produktnamen: Bei manchen Angeboten heißt die TPMS Version W702T Pro, während Carpuride sie im eigenen Shop als W702S Pro + TPMS führt. Bei Preisvergleichen sollte man deshalb prüfen, ob die zwei Reifendrucksensoren wirklich enthalten sind.
Für BMW Fahrer sind die speziellen Varianten mit BMW Navigationshalterung und Wonder Wheel Integration interessant. Das Carpuride W702BS Pro liegt in Deutschland aktuell bei rund 329,99 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Die kleinere Display BMW Variante W502BS Pro wird aktuell ab etwa 279,99 Euro gelistet.
Besonders positiv bewerten wir die kabellose Smartphone Integration, die abnehmbare Halterung, die TPMS Funktion und den gut erreichbaren Support nach dem Kauf. Genau diese Punkte beantworten die Fragen aus unserer Einleitung: Ja, das Gerät ist im Alltag mehr als nur ein größeres Smartphone Display. Ja, die Reifendruckkontrolle bringt echten Mehrwert. Und ja, Carpuride lässt Käufer nach dem Kauf nicht allein. Auf Grund der relativ zurückhaltenden Auflösung des Displays schrammt das 702S Pro knapp an einem Award vorbei.
Unsere Einschätzung: Wer ein modernes CarPlay System für Touren, Alltag und längere Strecken sucht, bekommt mit dem Carpuride 702S Pro ein starkes Gesamtpaket zu einem fairen Preis. Für sehr kleine Motorräder oder Fahrer, die bewusst ohne Smartphone navigieren möchten, ist es dagegen weniger passend. Alle anderen dürfen sich freuen: Das Smartphone bleibt endlich in der Tasche, der Reifendruck steht im Blickfeld und man selbst hat eine Ausrede weniger, sich trotz Navi doch wieder zu verfahren.

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