So wurde getestet
Produkt: Biketune iOS App mit Pro-Freischaltung
Testfahrzeug / Testumgebung: BMW S1000R 2017 + BMW S1000R 2023
Eingesetzte Hardware: iPhone 16 Pro Max mit iOS 27 und OBDLink MX+ Adapter
Software: Biketune Version 1.8
Bereitstellung: Die Pro Version wurde vom Hersteller bereitgestellt
Der Test wurde unabhängig gemäß unseren Transparenzregeln durchgeführt.
Wer sein Motorrad selbst wartet, kennt die Situation. Nach einem Service möchte man die Wartungsanzeige zurücksetzen, eine Fehlermeldung nachvollziehen oder einfach wissen, welche Werte die Steuergeräte tatsächlich liefern. Bei modernen BMW Motorrädern gibt es dafür zahlreiche Informationen, allerdings sind diese ohne passende Diagnosehardware und Software nicht zugänglich.
Während Android Nutzer mit MotoScan bereits seit Jahren eine etablierte Lösung nutzen können, war die Auswahl für iPhone Fahrer deutlich kleiner. Mit Biketune gibt es inzwischen eine Anwendung, die genau diesen Bereich abdeckt. Die App verspricht Zugriff auf BMW Steuergeräte, Live Daten, Servicefunktionen und Codierungen direkt über das iPhone.
Interessant ist dabei nicht nur, welche Funktionen auf der Liste stehen. Entscheidend ist, wie sich die App im Alltag bedienen lässt, welche Funktionen tatsächlich sinnvoll sind und ob sich die Investition in die erweiterten Versionen lohnt. Genau das haben wir getestet.
Der erste Kontakt mit Biketune
Nach der Installation fällt zunächst auf, dass Biketune anders aufgebaut ist als klassische Diagnoseprogramme. Die App orientiert sich an einer modernen Smartphone Bedienung und versucht, die teilweise komplexen Informationen eines Motorrads übersichtlich darzustellen.
Bevor überhaupt ein Adapter zum Auslesen der OBD-Daten am Motorrad angeschlossen wird, kann die App im Demo Modus ausprobiert werden. Das ist bei einer Diagnose Anwendung sinnvoll, denn viele Nutzer wissen vor dem Kauf nicht, welche Möglichkeiten eine solche App tatsächlich bietet.
Im Demo Modus lassen sich die Menüs und Funktionen ansehen, ohne dass ein Motorrad verbunden sein muss. Dadurch bekommt man einen Eindruck davon, welche Steuergerätebereiche vorhanden sind und wie die spätere Bedienung aufgebaut ist. Der Demo-Modus hilft dabei enorm, sich mit der App vertraut zu machen und wir konnten direkt in einige spannende Funktionen eintauchen ohne zu riskieren, am Motorrad etwas zu verstellen, zu löschen oder zurückzusetzen.



Nachdem man die App kennengelernt hat erfolgt die Verbindung mit dem Motorrad anschließend über einen kompatiblen OBD Adapter. Biketune unterstützt verschiedene Bluetooth und WLAN Adapter, darunter auch OBDLink Modelle. Um vorab rauszufinden welche Funktionen bei welchem Motorrad genau unterstützt werden, bietet der Hersteller einen Bereich auf seiner Webseite an, in dem dies nachgeschlagen werden kann.
Bei einer solchen Lösung ist der Adapter ein entscheidender Faktor. Die App kann nur so gut arbeiten, wie die Kommunikation zwischen Motorrad, Adapter und Smartphone funktioniert. Wir nutzen in unserem Test daher wieder den OBDLink MX+, den wir auch für unseren Test von MotoScan verwendet haben. Mit diesem Adapter haben wir vollen Zugriff auf alle Funktionen die von Biketune an der BMW S1000R unterstützt werden.



Kostenlos oder Pro: Welche Version braucht man?
Die kostenlose Version von Biketune ermöglicht den Einstieg, die Pro Version erweitert die technischen Möglichkeiten und Assist richtet sich an Nutzer, die zusätzliche Unterstützung bei der Diagnose wünschen.
Die kostenlose Version ist dabei mehr als nur eine eingeschränkte Testversion. Bereits ohne Kauf können verschiedene Diagnoseinformationen abgerufen werden.
Dazu gehören unter anderem:
• Fehlercodes aus erreichbaren Steuergeräten
• Live Daten verschiedener Sensoren
• Fahrzeug und Steuergeräteinformationen
• Freeze Frame Daten eines gespeicherten Fehlers
• Informationen wie VIN, Steuergerätetyp, Kalibrierung und Teilenummern
• Reifendruckinformationen bei unterstützten Motorrädern
• Demo Modus ohne angeschlossenes Fahrzeug
Damit kann man bereits nachvollziehen, welche Informationen das Motorrad liefert. Für reine Kontrolle und Fehlersuche ist diese Variante durchaus interessant.
Der entscheidende Unterschied kommt jedoch mit der Pro Version. Hier werden die Funktionen freigeschaltet, bei denen nicht nur gelesen, sondern auch geschrieben wird.
Dazu gehören:
• Fehlercodes löschen
• Serviceanzeige zurücksetzen
• Codierungen verändern
• Anpassungen durchführen
• Aktuatortests starten
• weitere Diagnosefunktionen abhängig vom Motorradmodell
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer Informationsquelle und einem echten Werkzeug für die eigene Motorradwartung. Die Pro Version wird als einmaliger Kauf angeboten und nicht als klassisches Abonnement. Der genaue Preis kann je nach App Store Region abweichen, beträgt in Deutschland aber aktuell 17,99 Euro. Das ist aus unserer Sicht ein fairer Preis.
Diagnose, Service und Codierung im Alltag
Der eigentliche Unterschied zwischen einem einfachen OBD Lesegerät und einer Diagnose App zeigt sich erst dann, wenn man tiefer in die Fahrzeugdaten einsteigen möchte.
Ein Fehlercode allein hilft meistens nur bedingt weiter. Die wichtige Frage ist, welches Steuergerät den Fehler gespeichert hat, unter welchen Bedingungen er entstanden ist und ob es sich um einen einmaligen Eintrag oder ein tatsächlich vorhandenes Problem handelt.
Genau hier setzt Biketune an. Die App liest nicht nur den Fehlerspeicher aus, sondern kann je nach Motorrad auf verschiedene Steuergeräte zugreifen. Dazu gehören z.B. Motorsteuergerät, ABS, Kombiinstrument, Alarmanlage, Fahrwerk und noch einige mehr.






Die Live Daten sind dabei eine der interessanteren Funktionen. Statt nur einen gespeicherten Fehler zu sehen, können verschiedene Messwerte während des Betriebs beobachtet werden. Dazu gehören u.a. Drehzahl, Geschwindigkeit, Temperaturen, Batteriespannung und Drosselklappenstellung.
Gerade das ist für die eigene Analyse interessant, weil viele Informationen vorhanden sind, die im normalen Fahrbetrieb oder im Motorraddisplay nicht sichtbar sind. Ob ein Sensorwert plausibel ist oder sich ein Fehler ankündigt, lässt sich damit deutlich besser nachvollziehen.
Mit der Pro Version kommen die Funktionen hinzu, bei denen Biketune aktiv in das Fahrzeug eingreifen kann. Dazu gehören die bereits erwähnten Funktionen wie das Löschen gespeicherter Fehler, Service Reset, Codierungen und verschiedene Tests von Komponenten. Auch das Ansteuern von Aktuatoren ist möglich. So lässt sich z.B. über das ABS Steuergerät der jeweilige Bremskreislauf (vorne/hinten) getrennt ansteuern um nach einem Wechsel der Bremsflüssigkeit die Luft aus dem System zu bekommen.
Gerade beim Thema Codierung sollte man allerdings wissen, was man tut. Eine Diagnose App macht aus dem Motorrad keine Versuchsumgebung. Änderungen an Steuergeräten können Auswirkungen auf die Fahrzeugkonfiguration haben. Biketune zeigt hier zwar verständliche Beschreibungen der verfügbaren Einstellungen, trotzdem sollte man vor jeder Änderung wissen, was verändert wird.
Die Funktion, die wohl die meisten Motorradschrauber interessiert, ist das zurücksetzen des Service-Intervalls. Dies lässt sich unkompliziert über die Biketune App realisieren. Zuerst werden die Informationen vom Bike aus den Steuergeräten ausgelesen und angezeigt. Dann hat man die Wahl ob man nur einzelne Parameter (Kilometer oder Servicedatum) anpassen möchte, oder ob alle Settings neu gesetzt werden sollen.






Im Standard sind hier 10000km und +365 Tage ausgewählt, was dem vorgegebenen BMW Wartungsintervall entspricht. Dies lässt sich aber auch individuell frei einstellen. Bis zu drei Jahre im Voraus ist möglich. Höhere Werte lassen sich zwar in der Biketune App konfigurieren, wurden dann aber bei unserem Test beim Schreiben vom Motorrad abgelehnt.
Ein ebenfalls tolles Feature ist die Synchronisation der Uhrzeit mit dem Motorrad. Per einfachem Klick in der App übernimmt das Motorrad die Live-Uhrzeit vom Smartphone. Dies erspart das lästige Klicken durch das Motorrad-Display um zwischen Sommer- und Winterzeit zu wechseln.
Ein weiterer interessanter Punkt ist die Entwicklung der App. Biketune ist noch vergleichsweise jung, wird aber regelmäßig erweitert. Die Versionshistorie zeigt, dass nach dem ersten Release unter anderem Adapterunterstützung, Wiederverbindung, Live Daten, Coding Funktionen und die Unterstützung weiterer Modelle ergänzt beziehungsweise verbessert wurden. Das ist gerade bei einer Diagnose App wichtig. Nicht jede Funktion ist zwangsläufig ab der ersten Version perfekt, entscheidend ist, wie schnell Probleme erkannt und behoben werden und welche neuen Funktionen in der Zukunft schnell unterstützt werden könnten. Das junge Alter der App merkt man auch an der ein oder anderen Stelle in den Menüs. Noch nicht alle Funktionen sind vollständig übersetzt. Trotz Auswahl der deutschen Sprache erscheinen in manchen Menüs noch englische Texte oder Abfragen. So werden zum Beispiel die Abfrage-Knöpfe „Abbrechen“ und „Bestätigen“ noch als „Cancel“ und „Confirm“ angezeigt.
Datenschutz bei einer Diagnose App
Bei einer Diagnose App stellt sich automatisch die Frage, welche Daten eigentlich verarbeitet werden. Immerhin liest die Anwendung Informationen aus dem Motorrad aus, darunter Fahrzeugdaten, Steuergeräteinformationen und Diagnosewerte.
Biketune gibt an, dass Fahrzeugdaten wie VIN, Fehlercodes, Live Daten und aufgezeichnete Fahrdaten nicht an eigene Server übertragen werden. Die Fahrzeugliste, Sitzungen und Diagnoseinformationen bleiben grundsätzlich auf dem Gerät gespeichert.
Optional kann eine Anmeldung mit Apple genutzt werden. Diese dient laut Entwickler dazu, Fahrzeuglisten und Adapterzuordnungen über Apples iCloud Infrastruktur zu synchronisieren. Diese Daten laufen dabei nicht über eigene Biketune Server.
Zusätzlich werden jedoch wie bei vielen Apps technische Daten verarbeitet. Dazu gehören unter anderem Kaufinformationen, Kontaktinformationen, Kennungen sowie Diagnose und Absturzdaten für Fehleranalyse und Weiterentwicklung.
Positiv fällt auf, dass Biketune nach eigenen Angaben kein klassisches Tracking für Werbung verwendet und keine Fahrzeugdaten für Werbezwecke nutzt.
Für eine Diagnose App ist das ein wichtiger Punkt. Die eigentlichen Fahrzeugdaten bleiben lokal, während notwendige technische Informationen für den Betrieb und die Weiterentwicklung der App getrennt betrachtet werden.
Fazit
Biketune ist eine neue aber interessante Lösung für BMW Motorrad Fahrer, die ihr iPhone auch als Diagnosewerkzeug nutzen möchten. Die App verfolgt einen anderen Ansatz als klassische Diagnoseprogramme. Der Einstieg ist einfach, der Demo Modus ermöglicht einen Blick auf die Funktionen vor dem Kauf und die kostenlose Version bietet bereits deutlich mehr als einen einfachen Fehlerleser.
Interessant wird die Anwendung aber eigentlich erst mit der Pro Version, denn erst damit wird aus dem Diagnosewerkzeug ein Werkzeug für Servicearbeiten und Anpassungen. Die kostenlose Variante reicht dagegen aus, wenn man hauptsächlich Informationen auslesen und den Zustand des Motorrads überprüfen möchte.
Der Vergleich mit MotoScan zeigt vor allem die unterschiedlichen Plattformen. MotoScan bleibt eine etablierte Android Lösung, während Biketune die gleiche Lücke nun auf der Apple Seite schließen möchte.
Für BMW Fahrer mit iPhone ist Biketune deshalb eine sinnvolle Ergänzung im eigenen Werkzeugkasten und eine echte Alternative zu MotoScan per Android. Die App ersetzt zwar weiterhin kein Werkstattwissen, macht aber viele Informationen zugänglich, die sonst nur mit professionellen Diagnosegeräten erreichbar wären.